Wordpress
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Wordpress Themes - gekauft oder individuell entwickelt?

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Wordpress ist mit einem weltweiten Anteil von 34.1% auf dem Webseiten-Markt nicht mehr wegzudenken.

Kritik gibt es an dem CMS zwar nicht ohne Grund, aber es macht das Veröffentlichen und Pflegen von Inhalten für Nutzer sehr unkompliziert. Auch ohne größere Kenntnisse in der Webentwicklung kann eine Webseite veröffentlicht werden. Zusätzlich gibt es eine Reihe von Anbietern, die schon fertige Installationen anbieten.

Der Nutzer braucht dann nur noch ein Theme aussuchen und dann läuft die Seite. Oder nicht?

Das jedenfalls wird von einem großen Markt an Premium-Produkten suggeriert und es ist auch nicht gelogen. Wordpress ist auch in dieser Hinsicht unkompliziert. Gekaufte Themes können installiert und zumeist auch direkt verwendet werden.

Die Layouts sind von schlicht bis aufwändig erhältlich. Bei ihrer Präsentation werden oft viele Animationen verwendet um das ganze dynamischer erscheinen zu lassen. Die Preise liegen zwischen 30 und 80 € und sind damit natürlich gemessen an durchschnittlichen Stundensätzen von EntwicklerInnen und Agenturen unschlagbar. In einer Stunde ist es schlicht nicht möglich ein Layout zu erstellen, umzusetzen und mit den ganzen Funktionen und Animationen zu versehen.

Daher entscheiden sich viele auch für ein derartiges Theme. Auch viele EntwicklerInnen und Agenturen kaufen Themes und passen sie an die Wünsche des Kunden an. Damit können Sie den Preis, trotz der Anpassungen, oft deutlich reduzieren.

Die Frage, die sich im ersten Moment dabei stellt, ist, ob nun anhand der Anforderung des Kunden etwas ausgesucht wird oder ob eine Anforderung entsprechend verändert wird, damit etwas gefunden werden kann.

Kritisch betrachtet sind fertige Themes oft völlig überfrachtet, denn sie sollen ja möglichst viele Kunden ansprechen und versuchen damit auch vielen Anforderungen gerecht zu werden. Denn werden sie nicht oft genug verkauft sind sie für den Anbieter unrentabel.

Eine individuelle Entwicklung ist jedoch leider kein Garant für Qualität, denn es gibt auch einfach schlechte Entwicklerinnen. Auf einem Markt, wo es zunehmend darum geht, immer günstiger zu sein und Webseiten zunehmend in Serie produziert werden, erschwert dies natürlich auch die Qualität aufrecht zu halten. Für den Kunden ist es allerdings genauso schwierig, diese zu bewerten.

Dabei gibt es ein gutes Merkmal dafür: die Performance/Ladegeschwindigkeit einer Webseite. Auch wenn diese durchaus subjektiv wahrgenommen werden kann. Der Kunde, der sich die neue Seite anschaut wird einen Mangel an Performance nicht unmittelbar mitbekommen. Aber anhand dessen lassen sich Rückschlüsse auf die Entwicklung ziehen.

Besucher

Der offensichtliche Grund ist natürlich, dass wir alle nicht gerne warten. Was der Kunde von seinem Büro aus natürlich oft nicht mitbekommt, wie gut seine Seite unterwegs funktioniert. Denn eine schlecht optimierte Seite wird auf einem mobilen Gerät natürlich noch mehr Probleme verursachen. Auch etwas was wir in Deutschland nicht unberücksichtigt sein lassen sollten. Wir haben einfach nicht das beste mobile Netz und nicht überall liegen Glasfaseranschlüsse.

SEO

Suchmaschinen lassen die Ergebnisse der Ladezeit mit ins Ranking der Suchergebnisse einfließen. Seit April 2010 berücksichtigt Google diesen Faktor. Wie hoch er ist, darüber kann nur spekuliert werden. Da Google unter anderem mit dem Tool PageSpeed Insights auch eine Möglichkeit bietet, die Geschwindigkeit einer Webseite zu analysieren, dürfte er jedoch nicht unbedeutend sein.

Showdown

Um uns das jetzt etwas konkreter anzuschauen, werden wir zwei Seiten vergleichen. Beide sind mit Wordpress umgesetzt worden. Die Trinkkofi ist eine Seite, die von mir im vergangenen Jahr entwickelt wurde und stetig erweitert wird.

Für die Entwicklung verwende ich eine Boilerplate. Das ist ein schlichtes Theme, das nur die grundlegenden Funktionen enthält. Zusätzlich werden von mir Tools wie WP Emerge, Carbon Fields und Webpack verwendet um den Entwicklungsprozess zu unterstützen.

Dem Gegenüber steht die Seite des Mindener Innovations- und Technologie Zentrum, im folgenden mit MIT abgekürzt, die vor Kurzem von einer Agentur umgesetzt wurde.

Vergleiche zwischen Seiten sind natürlich immer schwierig. Auch ähnlich aussehende Seiten können dann aufgrund ihrer Funktionen, die nicht immer offensichtlich sind, Unterschiede in ihrem Umfang aufweisen. Jedes zusätzliche Element oder Funktion kann dafür sorgen, dass zusätzliche Stylesheets erstellt wurden oder etwas in Javascript programmiert wurde.

Dennoch versuchen wir beide einfach mal einzuordnen. Das Layout ist bei beiden Seiten eher ein Flat Design. Viel Fläche in verschiedenen Farben und die übrigen Elemente sind eher einfach gehalten. Wir können also davon ausgehen, dass das Stylesheet vom Umfang eigentlich ähnlich sein müsste. Auch der Umfang der Seiten ist annähernd gleich.

Unterschiede gibt es dann aber doch an einigen Stellen. Die Seite des MIT lädt mehr Fotos und hat auch zwei Slider. Zusätzlich werden die Fotos auf Trinkkofi in einem kleineren Format bereitgestellt. Für die Karte im Footer des MIT wurde Google Maps genutzt.

Für die genauere Analyse nutze ich das Tool Pingdom, die unter anderem auch die Konfiguration des Webservers berücksichtigt. Fairerweise erwähne ich hier, dass die Seite des MIT schon allein wegen ihres Webservers schlechter abschneidet. Auch Seiten mit vielen Inhalten können bei Pingdom noch recht gute Bewertungen bekommen, solange einige Konfigurationen eingehalten werden.

Hier die Ergebnisse,

Ich möchte gar nicht auf jedes Detail eingehen. Es lassen sich aber anhand der Ergebnisse von Pingdom gute Hinweise verdeutlichen, wo es zu Problemen kommt und warum die auf die Geschwindigkeit drücken.

Hohe Anzahl an Requests

Mit jedem Request werden Daten vom Webserver angefordert. Das meiste davon sind bei Webseiten Javascript- und Stylesheet-Dateien, aber auch Fotos. Wordpress ist mit dem Management von Dateien etwas chaotisch, was dazu führen kann das eine Menge Dateien ausgeliefert werden, die dann aber nicht genutzt werden.

Dieser Umstand ist aber nicht auf das Theme begrenzt. Natürlich können die installierten Plugins weitere Dateien hinzufügen. Wer also viele Plugins nutzt, könnte auch eine Menge Dateien ausliefern.

Aufgabe der EntwicklerInnen ist es, die Anzahl der Dateien deutlich zu senken und das kann auf unterschiedliche Weisen erreicht werden.

Javascript & Stylesheets

Die hohe Anzahl an Requests kann aber noch eine weitere Ursache haben. Das ist vor allem immer dann der Fall, wenn die Datenmengen bei Stylesheets und Javascript mehrere 100 Kilobyte umfassen.

Im Entwicklungsprozess müssen EntwicklerInnen entscheiden, wie das Layout oder auch Funktionen umgesetzt werden. Um "das Rad nicht neu erfinden zu müssen" werden gerne auch Bibliotheken und Frameworks verwendet, um das zu vereinfachen. Ein Vorteil ist dabei auch, dass kleinere Anpassungen nicht einen kompletten Entwicklungsprozess nach sich ziehen und somit weniger fehleranfällig sind.

Doch die Verwendung dieser Hilfsmittel sollte auch kritisch betrachtet werden. Auch hier gibt es viele, die versuchen, vielen Anforderungen gerecht zu werden. Dies erhöht den Umfang der Bibliotheken. Wer also nur ein paar schicke Buttons benötigt, braucht keine der größeren Bibliotheken wie zum Beispiel Bootstrap zu nutzen.

Auf der Seite des MIT wurde unter anderem drei verschiedene Slider geladen, auf der Startseite werden zwei genutzt. Grundsätzlich lassen sich Slider aber auch entsprechend anpassen, so dass für diese Seite eigentlich nur einer hätte geladen werden müssen.

Auch der Umfang an Stylesheets ist ungewöhnlich hoch, obwohl wir feststellen konnten, dass sich beide Seiten optisch ähneln.

Icons

Auf beiden Seiten werden etwa die gleiche Anzahl an Icons verwendet. Das MIT nutzt fontawesome.com, das in der Standardversion einige hundert Icons anbietet. Für die Seite von Trinkkofi sind nur die enthalten, die benötigt werden, damit ist die Datei 2,5 Kilobyte groß. Die vom MIT hat satte 73 Kilobyte.

Fazit

Tatsächlich kann ich nachvollziehen, warum viele Kunden und EntwicklerInnen zu fertigen Themes greifen. Gerade die Pro-Varianten scheinen augenscheinlich jedes Problem des Nutzers lösen zu wollen.

Letztlich sind Themes nichts anderes als ein Teil einer Software und müssen dementsprechend auch behandelt werden. Denn auch hier gilt: Weniger kann mehr sein. Zwar ist die individuelle Entwicklung mit zusätzlichem Aufwand verbunden, es können meistens aber schon grundlegende Fehler vermieden werden.

Ob aber von der Stange oder aus individueller Entwicklung: Tatsache ist, dass jede Umsetzung ihre Macken haben kann und das für Kunden nicht immer direkt ersichtlich ist. Natürlich kann es für Macken noch andere Prozesse und Gründe geben warum eine Seite so ist wie sie ist. Das ist aber etwas, das sich nicht auf Wordpress begrenzt.

Was auf jeden Fall berücksichtigt werden sollte: Webseiten sind nicht statisch sondern entwickeln sich inhaltlich weiter. Wenn in der Entwicklung schon früh Probleme eingekauft wurden kann es für den Kunden im nächsten Schritt natürlich teuerer werden.